Die Bedeutung der Kommunikation: das ABC
Wie oft sagen Sie, dass etwas „muss”? Verwenden Sie das Wort „müssen” überhaupt? Wie oft erteilen Sie Befehle? Wenn Sie etwas von anderen wollen – ist es eine Bitte oder eine Forderung? Darf der andere „Nein” sagen? Finden Sie es unhöflich oder lästig, wenn andere „Nein” sagen? Denken Sie darüber nach, was andere an einer Aufgabe, die Sie delegieren, schön oder sinnvoll finden?
Kommunikation spielt eine wichtige Rolle, wenn Sie andere motivieren wollen. Im Grunde können Sie auf zwei Arten kommunizieren: einladend und verbindend versus zwingend und kontrollierend. Diese Kommunikation nutzen Sie nicht nur mündlich, sondern auch in E-Mails, Newslettern, Websites und sogar in Chatnachrichten.
Sprechen Sie aus Ihren eigenen Bedürfnissen
Aus der Selbstbestimmungstheorie heraus vermeiden Sie kontrollierende Sprache und schließen sich an die einladende, verbindende Kommunikation an, wie sie Marshall B. Rosenberg vorschlägt. Er rät, ohne Urteile zu sprechen und immer aus den eigenen Bedürfnissen heraus zu starten. Deshalb ist es wichtig, zuerst die eigene Bedürfnislage zu sehen:
- Ein unerfülltes Bedürfnis sorgt für eine negative Emotion und macht Sie wütend, traurig oder ängstlich,
- Ein erfülltes Bedürfnis bringt eine positive Emotion mit sich und macht Sie hoffnungsvoll, froh und gibt viel Energie.
„Every criticism, judgment, diagnosis, and expression of anger is the tragic expression of an unmet need.” MARSHALL B. ROSENBERG
Wenn Sie aus Ihrem Bedürfnis heraus ehrlich eine klare Bitte formulieren können, wird der andere Ihr Bedürfnis leichter erfüllen. Verbindende Sprache beginnt bei den eigenen Bedürfnissen: „Ich fühle mich unsicher wegen der Umstrukturierung. Können Sie mir dazu mehr Klarheit geben?”
Was, wenn der andere „Nein” sagt?
Es ist wichtig, dass Sie offen für das Nein des anderen sind. Wissen Sie: Jedes „Nein” ist ein „Ja” zu etwas anderem. Vermeiden Sie Forderungen, formulieren Sie Bitten. Eine Forderung erhöht beim anderen das Gefühl von Druck und Zwang. Menschen lassen sich nicht gern unter Druck setzen. Sie wollen selbst, autonom und freiwillig einsteigen. Wer fordert, nutzt die „Muss-Motivation”, die mit negativen Folgen einhergeht. Eine Bitte dagegen ist eine Strategie, eine Lösung, um das eigene Bedürfnis zu erfüllen: Was möchten Sie, dass der andere tut? Wissen Sie: Ein Bedürfnis lässt sich auf unendlich viele Arten erfüllen. Eine Bitte gibt anderen die Chance, Ihnen zu helfen. Indem Sie Ihr Bedürfnis aussprechen, zeigen Sie, dass es Ihnen wichtig ist. So können Sie den anderen autonom motivieren, darauf einzugehen. Dieses altruistische Verhalten erfüllt sein ABC: Er entscheidet sich selbst, jemandem zu helfen, fühlt sich verbunden mit der Person und fühlt sich kompetent. Bitten erhöhen die „Will-Motivation” und machen unser Leben sinnvoll und schön.
Die ABC-Sprache steht für Autonomie, Beziehung (Verbundenheit) und Kompetenz – drei Bedürfnisse, deren Erfüllung für hohe Motivation sorgt.
„The objective of Nonviolent Communication is not to change people and their behavior in order to get our way: it is to establish relationships based on honesty and empathy, which will eventually fulfill everyone’s needs.” MARSHALL B. ROSENBERG
Hören Sie wirklich zu
Neben Ihren eigenen Bedürfnissen sind auch die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeitenden, Führungskräfte und Kollegen wichtig. Ein einfaches Mittel, um mit den Bedürfnissen anderer in Kontakt zu kommen: nicht reden, sondern schweigen und empathisch zuhören. Dann sehen Sie den anderen als ein Individuum mit eigener Sicht, eigenen Wünschen und Sehnsüchten. Wer wirklich zuhört, ohne zu urteilen, kann in echte Verbindung gehen und stärkt das beidseitige Bedürfnis nach Verbindung. Wirklich empathisch oder verbindend zuzuhören heißt, Aufmerksamkeit für das zu haben, was die andere Person fühlt und braucht. Das heißt nicht, dass Sie dasselbe fühlen oder den Bedürfnissen zustimmen müssen. Es heißt einfach, mit voller Aufmerksamkeit bei der anderen Person zu sein und nach ihren Bedürfnissen und Emotionen zu suchen.
„Knowledge speaks, but wisdom listens.” JIMI HENDRIX
Vermeiden Sie zwingende, kontrollierende Sprache
Verbindende Kommunikation steht im Gegensatz zu zwingender Sprache, die auf Urteilen, Deutungen und Vorwürfen beruht: „Weil du nicht ausreichend kommunizierst, bin ich wütend und fühle mich in meinem Job nicht gut.” Zwingende Sprache erzeugt Widerstand. Menschen lassen sich nicht gern unter Druck setzen oder kontrollieren. Manchmal wollen sie etwas tun, doch wenn Sie sie zwingend ansprechen, erleben sie mehr Stress, ziehen sich zurück oder wischen sich an der Aufgabe die Füße ab.
Was ist die ABC-Sprache nicht?
- Macht ausüben
- Druck machen
- Zwingen
- Vorwerfen oder verurteilen
- Eine Maske aufsetzen
- Menschen hinters Licht führen
- Resigniert dasitzen
- Belohnen oder bestrafen
- Aggression
- Manipulation
- Strategisches Spielverhalten
- Recht haben wollen
- Schuld, Scham oder Angst auslösen
„Most of us grew up speaking a language that encourages us to label, compare, demand, and pronounce judgments rather than to be aware of what we are feeling and needing.” MARSHALL B. ROSENBERG
Seien Sie klar und bieten Sie Struktur
Auch mit einladender Sprache können Sie klar Struktur und Richtung geben. Auf längere Sicht führt das zu besseren Ergebnissen – vor allem, wenn Sie qualitätsvolle Arbeit erwarten. Die ABC-Sprache hilft auch, die darunterliegenden Motive für Verhalten besser zu verstehen. Warum gibt es Widerstand? Gehen Sie nicht davon aus, dass Widerstand negativ ist, sondern sehen Sie ihn als Informationsquelle. Menschen, die Regeln nicht befolgen, sind nicht zwangsläufig ungehorsam. Es können andere Dinge mitspielen.
Autorin: Hermina Van Coillie