Frieden verlangt Vorbereitung
Keine zwei Tage nach den Anschlägen in Brüssel sind die Medien voll von Verweisen auf Krieg: erhöhte Wachsamkeit, Festnahmen und ein Diskurs, das Böse zu besiegen.
Ohne den politisch nötig gehaltenen Maßnahmen Abbruch zu tun, drängt sich die Frage auf: Wie bereiten wir nicht nur Krieg, sondern Frieden vor?
Wenn es um Frieden geht: Was muss geschehen, um Frieden und herzliches Zusammenleben zu fördern? Welche Aufträge können die zuständigen Minister ihren Verwaltungen geben? Welche Programme können laufen? Und vor allem: Was können wir selbst aufgreifen?
So wie Krieg ist auch Frieden etwas, an dem zu arbeiten ist – Schritt für Schritt. Es setzt voraus, dass wir lernen, unser Herz zu öffnen, mit Emotionen umzugehen, Wut und Angst gut zu nutzen. Wir brauchen Mut, uns klar und gewaltfrei auszudrücken – und den anderen zu hören, ohne Angst vor seiner Klarheit. Es setzt voraus, Respekt und Empathie für Menschen zu entwickeln, die anders sind, und Konflikte mit Blick auf die Interessen aller zu lösen. Dafür müssen wir lernen, unsere Lösung loszulassen und kreativ zu suchen, wie wir für die Bedürfnisse, Interessen und Werte aller sorgen können.
Es sind Prozesse, mit denen wir uns nach und nach vertraut machen können – sie verlangen Disziplin, Struktur und Engagement. Sie sind ein Gegengift für Verbitterung, Verzweiflung, wachsende Frustration. Es ist heute entscheidend, die Kraft dieser Wandlungsprozesse zu erkennen und neue Möglichkeiten für Frieden zu schaffen.
Eine Aufgabe für jeden
Gewalt ist nicht der Ausdruck unserer wahren Natur, sondern Ausdruck einer Natur, der Gewalt angetan wurde. Wenn unsere grundlegenden Bedürfnisse wie Liebe, Anerkennung, Dazugehören, einen Platz im Ganzen haben, Selbstausdruck, Sinn im Leben, Augenhöhe, Teilen … nicht genährt werden – und wir nicht wissen, wie wir diesen Mangel benennen und ausdrücken sollen –, sind wir alle imstande, gewalttätig zu werden.
Es zeugt von Bürgersinn, unsere wahre Natur zu respektieren und uns mit ihr zu versöhnen: Wer mit seiner menschlichen Natur versöhnt ist, erzeugt Frieden – und ist alles andere als passiv.
Setzen wir alles daran, eine Haltung von Gewaltfreiheit und Bürgersinn zu entwickeln – und andere zu ermutigen, darin zu investieren.
Einige Wege
- Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für das, was Sie fühlen. Lassen Sie Emotionen sich nicht stapeln, bis der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.
- Lernen Sie, sich selbst als Mensch mit dem ganzen Spektrum an Emotionen zu verstehen und zu lieben – um so auch den anderen zu verstehen und zumindest zu respektieren, auch wenn es unbequem ist.
- Lassen Sie alte Machtverhältnisse los, um Platz für Zusammenarbeit und Vertrauen zu machen.
- Entwickeln Sie Ihre natürliche Fähigkeit zur Empathie – auch und gerade, wenn Sie mit dem anderen nicht einverstanden sind.
- Werden Sie sich regelmäßig Gefühle von Freude und Dankbarkeit bewusst. Erkennen und feiern Sie, was „ist”, statt zu klagen, was nicht ist.
Text inspiriert von einem Beitrag von Thomas d’Ansembourg nach den Anschlägen in Paris (November 2015).