Gefühle am Arbeitsplatz
Wichtige Signale
In unseren Schulungen betonen wir, dass Gefühle – angenehm oder unangenehm – wichtige Hinweise auf darunterliegende Bedürfnisse sind. Diese Bedürfnisse anzuerkennen und zu erfüllen ist entscheidend, damit Sie in Ihrer Kraft stehen.
Es funktioniert. Und doch ist es nicht immer leicht.
Lösung oder Verbindung?
Kollegen kommen ins Gespräch, um einander besser zu verstehen, Wege zu besprechen, mit Daten und Situationen wirksamer umzugehen, Spannungsfelder zu benennen und Vereinbarungen zu treffen.
In dem Sinn ermutigen wir Führungskräfte und Mitarbeitende, Kollegen direktes Feedback zu geben, wenn sie frustriert sind und ihre wichtigen Bedürfnisse nicht erfüllt werden.
Aber wenn der Druck, eine schlüssige Lösung zu finden, größer ist als die Bereitschaft, in Verbindung zu sein, wird es schwierig. Dann werden die Bedürfnisse der Menschen übergangen. Wenn wichtige Bedürfnisse nicht anerkannt oder zu wenig erfüllt werden, entstehen Frust, Entmutigung, Enttäuschung oder Angst. Das kann zu Zusammenstößen führen, dazu, dass Menschen sich zurückziehen, oder zu Demotivation.
Beispiel
Krampf und Distanz
Chris ist ein Urgestein in einer wertegetriebenen Organisation; er hat dort schon vieles erlebt, viele Entwicklungen mitgemacht und trägt die Mission der Organisation im Herzen. Obwohl er Vertrauen in die laufenden Entwicklungen hat, gerät er regelmäßig in einen Krampf, wenn neue Ideen die gewohnten ablösen oder wenn er gebeten wird, an der Arbeitslast mitzutragen und Zeit für die Entwicklung neuer Projekte freizumachen. Dieser Krampf kommt manchmal heftig heraus: von Kritik bis Schreien, Kopfschmerzen und schlaflose Nächte. Seine Kollegen tun inzwischen alles, um diese Ausbrüche zu vermeiden. Nichts ist beängstigender als ein Kollege, der ausrastet. Aber diese Zurückhaltung fordert ihren Preis: Neue Ideen werden zurückgehalten, Kontakte werden vorsichtig, niemand traut sich, ihn anzusprechen oder zu übergehen.
Verbindung verlangt Mut
An einem Schulungstag schauen wir auf Bedürfnisse und Gefühle, Beobachtungen und Bitten. Schritt für Schritt gewinnen die Teammitglieder Klarheit über die Themen, die sie beschäftigen. Es wächst auch die Einsicht, dass sie Chris einbeziehen müssen, wenn sie sich selbst und ihn ernst nehmen wollen. Das größte Hindernis bei den Kollegen scheint die Angst zu sein, ihm Unbehagen zu bereiten, wenn sie für ihre eigenen Bedürfnisse nach Fortschritt einstehen. Auch für Chris ist es ein konfrontierender Tag: zu erkennen, dass es auch anders geht, seinen Punkt zu machen – jedenfalls, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Und die Verlegenheit darüber, dass das bislang kaum gelang. Indem die Gefühle und Bedürfnisse aller Atemraum bekommen und alle einander zuhören, finden Chris und das Team einen Weg, wieder in Dialog zu kommen. Innehalten und sich klarmachen, was wichtig ist, legt die Grundlage, um ruhiger auf die Herausforderungen und Projekte zu schauen.
Loslegen
Wenn Sie mit Kollegen in Verbindung gehen wollen, gehen Sie das Risiko ein, Ihre eigenen Bedürfnisse zu zeigen und offen für die Reaktion des anderen zu sein.
- Ihre Gefühle und Bedürfnisse einzubringen ist ein wichtiger Schritt zu dieser Verbindung.
- Auf die Gefühle und Bedürfnisse Ihres Gegenübers zu hören ist der nächste Schritt.
Wenn es Ihnen gelingt, weiter für Ihre eigenen Bedürfnisse zu sorgen, ohne die der anderen aus dem Blick zu verlieren, tragen Sie dazu bei, dass alle in Ihrer Organisation mehr sie selbst sein können. Verbindende Kommunikation erlaubt, Feedback sehr spezifisch und persönlich zu machen und den anderen zu konkretem Tun einzuladen.
So stehen Teammitglieder mehr in ihrer Kraft, und Zusammenarbeit macht wieder Freude.