Inspiration für Vermittler
Vermittlung
Als Vermittler helfen Sie zwei oder mehr Parteien, durch klare und respektvolle Kommunikation eine Lösung für einen Konflikt oder ein Problem zu finden. Während eines Vermittlungsgesprächs greifen Sie ein: Manche Eingriffe betreffen den Aufbau und Verlauf des Gesprächs, andere sorgen dafür, dass Störungen (meist Unklarheit oder urteilende Sprache) korrigiert werden, damit die Beteiligten einen Ausweg finden. Durch Ihre neutrale, fachkundige Anwesenheit helfen Sie Menschen, einen Vergleich zu finden und Vereinbarungen zu treffen, von denen beide profitieren.
Hier ein paar Tipps für die Begleitung von Gesprächen aus unserer täglichen Praxis.
Vorbereitung
Manchmal sprechen Sie vorab mit den einzelnen Parteien. Das ist nützlich, weil:
- Sie jeder Beteiligten die nötige Empathie geben und Raum für Gefühle und Interessen lassen;
- Sie die Gesprächsziele identifizieren;
- Sie Ihre Rolle als Vermittler klären – Neutralität mit Fokus auf klare und respektvolle Kommunikation.
Wenn Sie ein Vorgespräch mit der einen Partei führen, ist es gut, das auch mit der anderen zu tun, um Ihre Neutralität von Anfang an zu wahren.
Ort
Suchen Sie einen neutralen Ort mit Privatsphäre und Ruhe in einer angenehmen Umgebung. Stellen Sie Wasser bereit. Die Anspannung dieser Gespräche macht den Mund schneller trocken. Sorgen Sie dafür, dass Sie als Vermittler zwischen den Parteien sitzen, damit Sie Körpersprache und Mimik beider sehen, ohne den Kopf viel zu bewegen. Sorgen Sie dafür, dass die Menschen leicht hinausgehen können. Vermeiden Sie, dass sie sich eingeschlossen fühlen. Sie als Vermittler sitzen am weitesten von der Tür entfernt.
Verantwortung
Bei der Konfliktvermittlung spricht man von der Bemühungspflicht des Vermittlers, nicht von der Erfolgspflicht. Das heißt: Sie sind als Vermittler nicht für das Erreichen eines Ergebnisses oder einer Lösung verantwortlich.
Das Gespräch
Beginn
Eröffnen Sie kurz mit Ihrer Rolle. Beschreiben Sie die Situation neutral, ohne Deutungen oder Urteile. Vermeiden Sie Wörter wie „Konflikt” oder „Problem”. Zum Beispiel: „Wir sind hier, um eine Lösung zu finden für etwas, das sich kürzlich ereignet hat. Ziel ist es, im Austausch zu schauen, wie wir diese Situation anders angehen können. Meine Rolle besteht darin, Ihnen zu helfen, zu einem Vergleich zu kommen, der für jede Partei in Ordnung ist. Ich werde vor allem unterstützen, dass die Kommunikation klar bleibt und im Dialog läuft. Ich werde Sie ab und zu unterbrechen und Fragen stellen.”
Während des Gesprächs
In einer Vermittlung unterscheiden wir zwei große Phasen: eine Phase der Meinungsbildung und eine Phase der Entscheidungsfindung. In der ersten Phase wird vor allem auf nützliche Information und auf die Bedürfnisse aller Beteiligten gehört. In der Entscheidungsphase wird aus den geteilten Informationen nach Lösungen gesucht. Die Entscheidungsfindung kann erst beginnen, wenn die Phase der Meinungsbildung vollständig abgeschlossen ist. Als Vermittler sorgen Sie dafür, dass das Gespräch dieser Logik folgt, ohne dass Sie es ausdrücklich erwähnen. Erst wenn alles gesagt und gehört ist, hat es Sinn, nach Lösungen zu suchen. Lenken Sie die Parteien also durch passende Eingriffe in diese Struktur: „Erzählen Sie, was wir wissen müssen, bevor wir nach einer konkreten Lösung suchen?” „Was müssen wir wissen, bevor wir eine Lösung entwickeln?” Wenn zu früh schon Lösungen formuliert werden, geben Sie die Bedürfnisse wieder, die Sie im Vorschlag hören: Partei A: „Ich schlage vor, dass er seine Idee zuerst mit mir bespricht, bevor er sie Kunden vorlegt.” Vermittler: „Ihnen ist also Abstimmung wichtig?” Partei A: „Ja.”
Mögliche Eingriffe
Als Vermittler müssen Sie schnell eingreifen. Deshalb ist es wichtig, ein paar Techniken im Eifer des Gefechts anzuwenden. Diese Eingriffe sind wesentlich, um ein Gespräch in gute Bahnen zu lenken.
Notfall-Empathie geben
Manchmal wollen Menschen gleichzeitig sprechen oder fallen einander ins Wort. Dann hilft: „Ich sehe, Sie wollen beide gern Ihre Geschichte erzählen und gehört werden. Ich schlage vor, wir lassen erst A zu Wort kommen und hören danach Sie an. Ist das in Ordnung?” Dieser Eingriff signalisiert, dass zugehört wird – nur nicht sofort. Sie bitten eine Partei, selbst noch kurz zuzuhören.
Urteile und Vorwürfe in Bedürfnisse übersetzen
Im Konflikt beschreiben Menschen die Realität oft vorwurfsvoll. Als Vermittler ist es wichtig, diese Vorwürfe schnell in Bedürfnissprache zu übersetzen. Fragen Sie regelmäßig, ob das das ist, was die Person sagen will.
Am Empathie-Ohr ziehen
Um die Parteien zu einer verbindenden Zuhörhaltung anzuregen, bitten Sie als Vermittler ab und zu, zu wiederholen, was die andere Partei gesagt hat. Mit Fragen wie: „Können Sie in Ihren eigenen Worten wiederholen, was Sie den anderen sagen hören?” „Können Sie benennen, wonach der andere Bedürfnis hat?” „Wie ist es für Sie, das zu hören?” „Wie fühlen Sie sich dabei?”
Stay on track
Wenn Menschen abschweifen oder nicht auf eine Frage antworten, lassen Sie das nicht zu lange laufen. Unterbrechen Sie klar und freundlich und stellen Sie eine Bitte: „Ich höre eine lange Geschichte und bin etwas den Faden verloren. Können Sie in wenigen Sätzen die Essenz geben?” „Ich habe den Eindruck, Sie wiederholen Dinge. Wollen Sie sicher sein, dass gehört wird, dass …?” „Hoppla, das ist (meiner Meinung nach) keine Antwort auf die Frage. Wie lautet Ihre Antwort auf …?”
Das Gespräch abschließen
Stellen Sie ein paar Fragen, bei denen jede Beteiligte sich zu den Beschlüssen äußert. Ermutigen Sie, die Vereinbarungen selbst zu formulieren: „Was vereinbaren wir konkret?” Schließen Sie das Gespräch mit: „Wie war dieses Gespräch für Sie?”
Zum Schluss
Danken Sie den Parteien für ihre Anwesenheit. Wichtig ist, dass auch Sie als Vermittler aus Ihrer Dienstbarkeit Freude und Erfüllung ziehen – etwa aus Ihrem Bedürfnis, für andere zu sorgen.
Viel Erfolg! Erwin