Was, wenn meine Lieblingsstrategie nicht erreichbar ist?
Schön und gut, diese Verbindende Kommunikation. Aber was tun, wenn keine konkrete Strategie da ist, ein Bedürfnis zu erfüllen?
In Verbindender Kommunikation gehen wir davon aus, dass jedes Handeln und Sprechen darauf zielt, Bedürfnisse zu erfüllen. Gefühle zeigen, wie es um die Erfüllung steht. Mit Verbindender Kommunikation lernen Menschen zu sehen, was ihnen wichtig ist – und klar darüber zu kommunizieren, mit Respekt für andere.
Einige Beispiele
Sie haben monatelang an einer Untersuchung gearbeitet. Sie sind begeistert von dem Mehrwert, den Sie der Organisation bieten können. Beim Erstellen der Präsentation zeigt sich: Ihre Untersuchung ist schon überholt. Ihre ganze Arbeit ist umsonst. Sie haben ein großes Bedürfnis nach Wertschätzung und Anerkennung – und niemand ist begeistert. Sie machen eine Arbeit, deren Sinn Sie nicht sehen. Es frustriert Sie, weil Sie das Bedürfnis nach sinnvoller Arbeit haben. Wenn Sie Ihre Führungskraft darauf ansprechen, erklärt sie Ihnen, dass die Arbeit ins Ganze passt. Es gibt keine direkte Perspektive auf andere Arbeit, und Sie bleiben frustriert über die Sinnlosigkeit eines Teils Ihrer Arbeit. Im Kundenkontakt haben Sie viel persönliche Kritik abbekommen. Ein wichtiger Kunde löst seinen Vertrag, und Ihre Führung gibt Ihnen die Schuld. Sie finden das ungerecht. Sie würden gern Luft machen und brauchen Empathie. Sie sprechen mehrere Kollegen an. Niemand hat Zeit, alle sind im Stress. Niemand ist verfügbar zuzuhören.
Wenn Sie ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen wollen und es nicht klappt, kommt leicht die Neigung, anderen Vorwürfe zu machen. Diese Vorwürfe nähren Aggression, Ärger und Hass.
Sich sehnen können, auch wenn das Bedürfnis nicht direkt erfüllt wird
Sich sehnen können, ohne sofort einzulösen, ist eine wichtige Fähigkeit in der Verbindenden Kommunikation. Das heißt: Sie spüren das Unbehagen und den Schmerz des Mangels, zugleich die Sehnsucht nach Erfüllung. Eine Art milde Selbstbeherrschung, die zulässt, dass Unbehagen da ist – und Sie sich gleichzeitig nach etwas Wertvollem sehnen können.
Die Kunst besteht darin, die Aufmerksamkeit beim eigenen Fühlen und vor allem beim eigenen Brauchen zu lassen, ohne sich oder andere zu verurteilen. Lassen Sie urteilende Gedanken über andere oder über sich zu und untersuchen Sie, was sie über Ihre Bedürfnisse sagen. Mit bewusst tiefer Ein- und Ausatmung vertiefen Sie die Fähigkeit zu fühlen und sich darin zu entspannen. Wenn Sie den Fokus auf Gefühle und Bedürfnisse richten, behalten Sie Kraft und Lebensenergie, sinnvoll in Ihrer Realität zu stehen. Diese Energie ist das Potenzial, mit dem Sie ins Tun kommen, wenn Sie wollen. Das ähnelt ein wenig dem Buddhismus. Es lohnt sich, das auszuprobieren, wenn Ihnen etwas fehlt, das Sie gerade nicht bekommen. Das Bedürfnis und die Sehnsucht spüren, ohne sich oder andere zu verurteilen.