Wenn nicht geführte Gespräche Energie kosten
- Hören Sie Mitarbeitende über fehlende Klarheit klagen? Und fragen Sie sich, wie Sie darauf eingehen können, ohne direktiv zu werden?
- Spüren Sie Unmut, weil Mitarbeitende den Teamabsprachen ihre eigene Auslegung geben? Und fragen Sie sich, ob Sie eingreifen müssen?
- Spannen Sie sich an, wenn in einer Besprechung Bedenken geäußert werden? Und fragen Sie sich, ob es Sinn hat, Ihre eigenen Bedenken noch hinzuzufügen?
In einer Zusammenarbeit muss nicht alles besprochen werden. Bei Problemen lohnt es sich aber, die Dinge zu schärfen und zu einer getragenen Lösung zu kommen. Dann gibt es viele Gründe, das nicht zu tun – schon allein, weil es Zeit und Energie kostet, etwas anzusprechen, und weil das Ergebnis ungewiss ist. Ehe Sie sich versehen, verschwimmt der Kontext und Sie bleiben mutlos zurück. Mut hat mit der Kraft des Herzens zu tun, dem Organ der Verbindung. Aber wie sammeln Sie diesen Mut, um das Problem anzusprechen?
Klar sprechen und empathisch zuhören
Wenn Menschen verbindend kommunizieren lernen, erleben sie einen positiven Effekt, sobald sie ihre Meinung sagen. Außerdem lernen sie, zuzuhören, was bei anderen lebendig ist, und darüber ins Gespräch zu kommen. Mit anderen Worten: Verbindende Kommunikation rüstet Menschen aus, gemeinsam zu denken.
Erst Meinungsbildung, dann Entscheidungsfindung
Im Vier-Augen-Gespräch bleibt es überschaubar. Bei komplexeren Themen mit einer Gruppe stellt sich aber die Frage, wie man dort ins Gespräch kommt. Genau hier ist der Fluchtweg meist der meistbegangene.
Beispiel Bei der Entwicklung einer Website besprechen Sie den ersten Entwurf mit Kolleginnen und Kollegen. Jeder hat seine eigene Meinung: Das passt nicht zu unserer Hausschrift, die Fotos sind zu glatt … Wenn Sie all die Kritik am Entwurf hören, zweifeln Sie nicht am Engagement der Kollegen, aber der Mut sinkt. Außerdem sind Sie mit der Bemerkung zu den Fotos nicht einverstanden und wissen, dass auch im Team sehr unterschiedlich über „unsere Hausschrift” gedacht wird. Mit dem Input zu arbeiten, wird schwierig, wenn das Thema nicht weiter besprochen wird. Und wenn Sie ohne Berücksichtigung der Anmerkungen weitermachen, bleiben wahrscheinlich Menschen frustriert zurück. Die Frage für die nächste Besprechung ist also: „Welches Bild oder welche Atmosphäre möchten wir den Besuchern unserer Website mitgeben?”
Meinungsbildung: agree to disagree
Sich regelmäßig Zeit zu nehmen, Themen zu besprechen und auch einmal gründlich anderer Meinung zu sein – also einander zuzuhören – muss nicht zeitintensiv sein. Wichtig ist vor allem genug Offenheit, alle Meinungen zu hören und neugierig zu bleiben auf die dahinterliegenden Gründe (Bedürfnisse und Werte).
Trotzdem ist es oft eine Herausforderung, die Frage zu stellen, was Menschen über ein Thema denken. „Was, wenn jemand nur die eigene Meinung verteidigt?”, „Was, wenn jemand keine Meinung hat oder sie nicht ausdrücken kann?”, „Was, wenn die Frage zu Spaltung und Spannung führt?” …
Diese Fragen zu stellen, schafft meistens Klarheit darüber, wie verschiedene Fachleute auf eine bestimmte Realität schauen. Es kann ein Startpunkt sein für:
- Entscheidungsfindung „Wie können wir dann dafür sorgen, dass …?”
- Eine weitere Erkundung der Meinung (Debatte) „Was bringt Sie dazu, das zu sagen?”
- Eine weitere Erkundung der Voraussetzungen (Dialog) „Wenn Sie das so sehen – ist es, weil es Ihnen sehr wichtig ist, dass …?”
So bringen wir alle Informationen, die mit dem Thema zu tun haben, auf den Tisch.
Was in einer Phase der Meinungsbildung gut funktioniert:
- Menschen, die sich klar ausdrücken können;
- Menschen, die zuhören können und wollen und die Ideen anderer nicht als Vorwurf hören;
- Jemand, der moderieren kann, indem er:
- Einladende Fragen stellt;
- Antworten so einordnet, dass sie auf der Linie der Frage bleiben;
- Wiedergibt, was gesagt wurde, um zu einem gemeinsamen Verständnis zu kommen.
Entscheidungsfindung: für „good enough” gehen
Wenn durch die Meinungsbildung genug Informationen zu einem Thema vorliegen, kann die Entscheidungsfindung beginnen – auch wenn die Meinungen auseinandergehen. Bei der Verbindenden Entscheidungsfindung wird zuerst nach einer guten Ausgangsfrage gesucht.
Beispiel Was können wir am Entwurf anpassen, damit er ganz zu unserer Hausschrift passt? Wie sorgen wir dafür, dass die Visuals voll zum Inhalt und zum Stil passen, den wir ausstrahlen wollen?
Verbindende Entscheidungsfindung gibt einen Rahmen, mit dem Lösungsideen entstehen und verfeinert werden. Unsere Erfahrung in der Moderation zeigt: Es wird für Menschen viel leichter, aus dem Interesse anderer mitzudenken, wenn auch ihre eigenen Interessen berücksichtigt werden. Und weil das Suchen nach der idealen Lösung oft lähmt, ermutigen wir, für die bestmögliche Wahl in diesem Moment zu gehen. Das schafft Klarheit und neue Energie für die Zusammenarbeit.
Der Ausgangspunkt der Verbindenden Entscheidungsfindung ist: Eine breite Akzeptanz ist wesentlich für eine gute Entscheidung. Einzigartige Fragen, das Gewicht von Einwänden und die Argumente dahinter weisen den Weg zu kreativen Lösungen.
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